
Der Iso Rivolta 300 (1962–1970) ist ein seltenes, automobiles Schmuckstück aus Italien der 60er-Jahre. Er verbindet italienisches Design mit amerikanischer Technik. Es wurden nur 792 Bertone-Coupés gebaut und kosteten 1962 schon als Grundpreis 35.500 DM, ein VW Käfer 1200 Export kostete im selben Jahr 4.980 DM. 1968 kostete das Coupé dann schon 41.855 DM. Ein Porsche 911 T (1967-1973) F-Modell (”Urmodell”) lag dagegen nur bei 22.980 DM. Dieses luxuriöse Oberklasse Coupé bewegte sich somit, was Qualität und Preis betrifft nahe bei Aston Martin, Ferrari und Maserati. Kaufkraftbereinigt entspräche dies heute fast 97.000 Euro.
Dennoch werden sie diesen Gran Tourer, ausser in Fachzeitschriften oder Online-Portalen kaum irgendwo in echt sehen. Man schätzt, dass vielleicht weltweit noch weniger als 300 Exemplare existieren und deshalb bei Sammlern sehr beliebt sind. Das zurückhaltende Interieur, Komfort, Exterieur und Design ist Giorgetto Giugiaro bei Bertone zu verdanken. Dazu ein kraftvoller Chevy-V8 mit 304 PS läßt ihn von 0–100 km/h in 8,4 Sekunden sprinten, hat er doch trotz Ganzstahlkarosserie nur 1.520 kg Leergewicht zu bewegen.
1963 kam dann mit dem Iso Rivolta 340 noch eine stärkere Version ins Schaufenster. Diese hat 345 PS und schafft den Sprint von 0 auf 100 km/h in unter 8 Sekunden. Ausserdem serienmäßig eine Klimaanlage und weitere Komfort-Features und teils sogar ein Altimeter (Höhenmesser), das war damals wirklich etwas besonderes.
Iso Rivolta vom Kühlschrank zum Hersteller der Isetta und Luxusportwagen
Renzo Rivolta kam ursprünglich aus der Produktion von Kühlanlagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Isothermos die Produktion von Motorrädern und Motorrollern (darunter Isomoto 125 und Isoscooter 125) auf und ließ u.a. den Kleinstwagen Isetta entwickeln wo in Deutschland die BMW Isetta in Lizenz gebaut wurde.
Zusammen mit R. Rivolta, dem Konstrukteur Giotto Bizzarrini, dem Designer Giorgetto Giugiaro und dem Karosseriehersteller Bertone, wurde auch der Iso Rivolta 300 entwickelt. Dieses elegante Gran-Touring-Fahrzeug besticht durch ausgewogene Technik und überragende Fahrleistungen. Der 5,4-l-V8-Motor und das Getriebe stammten von Chevrolet, während die Achsen und Bremsen an die Technik der großen Jaguars dieser Zeit angelehnt waren. Diese Konzeption wurde von Iso auch für alle folgenden Modelle beibehalten (ab 1972 mit Ford-351-Cleveland-Motoren). Der Rivolta 300 wurde 1962 vorgestellt. Ab 1964 wurde mit ähnlicher Technik der Sportwagen Iso Grifo produziert, der bessere Fahrleistungen bot.
Nach dem überraschenden Tod seines Vaters Renzo wurde Piero Rivolta 1966 mit 25 Jahren Leiter des Unternehmens. Unter ihm entstanden die Limousine Iso Fidia, die laut Eigenwerbung „schnellsten 4 Sitze auf Rädern“, der Iso Grifo mit 7- bzw. 7,4-Liter-Corvette-Motor und das 2+2-Coupé Iso Lele, das als Nachfolger für den Iso Rivolta 300 auf den Markt gebracht wurde. Insgesamt wurden nur ca. 1700 GTS gebaut.
1972 kam es erstmals zu finanziellen Schwierigkeiten, ab 1973 kam die Ölkrise hinzu und dann wurde das Unternehmen an den italienischen Geschäftsmann Ivo Pera verkauft, der viele Pläne, neue Modelle und eine Produktionssteigerung auf 5.000 Exemplare in Aussicht stellte. Doch daraus wurde nichts und die Firma ging 1974 endgültig in Insolvenz.
Iso Rivolta 300/340 GT technische Daten
Hersteller: Iso Automotoveicoli S.p.A. in Bresso (Vorstadt von Mailand), Italien
Produktionszeitraum: 1962–1970
Klasse: Oberklasse
Karosserieversionen: Coupé
Länge x Breite x Höhe: 4800 x 1750 x 1420 mm
Radstand: 2700 mm
Leergewicht: 1520 kg
Antriebsart: Heckantrieb
Getriebe Automatik
Motor: Achtzylinder-Viertakt-V-Motor (90°)
Hubraum 5350 cm³
Bohrung × Hub: 101,6 × 82,55 mm
Iso Rivolta 300 Motorleistung: 300 PS / 221 kW
Iso Rivolta 340 Motorleistung: 340 PS / 250 kW
Max. Drehmoment bei 1/min: 488 Nm (SAE) bei 3200
Verdichtung: 10,5 : 1
Getriebe: Vierganggetriebe mit Mittelschaltung, Hinterradantrieb, Sperrdifferenzial
Bremsen: Hydraulische Servo-Fußbremse, Scheibenbremsen vorn und hinten (hinten am Differenzial),
Handbremse mechanisch auf Hinterräder wirkend
Radaufhängung vorn: Doppelquerlenker mit Stabilisator, Schraubenfedern
Radaufhängung hinten: De-Dion-Achse mit Wattgestänge und Doppellängslenkern, Schraubenfedern
Karosserie: Mittragende Ganzstahlkarosserie auf geschweißtem Stahlblechrahmen, zweitürig
Reifen: 185 HS 15
Rivolta 300 Höchstgeschwindigkeit: 218 km/h
Rivolta 340 Höchstgeschwindigkeit: 228 km/h
Iso Rivolta 300 Beschleunigung bis 100 km/h: 8.4 s
Iso Rivolta 340 Beschleunigung bis 100 km/h: 7.9 s
Tankvolumen: 95 Liter
Kraftstoffverbrauch: 17,5 l
Kraftstoffsorte: Super
Kofferraumvolumen: ca. 400 Liter
1962 Preis in DM: 35.500,-
Exemplare gesamt: 792 Exemplare
Rennsport: als Tourenwagen homologiert
Designer: Giorgetto Giugiaro bei Bertone
Nachfolgemodell: Iso Fidia (1967–1974), anfänglich als Iso Rivolta S4 oder Iso Fidia 4S
Weitere Modelle von Renzo Rivolta bzw. Piero Rivolta
1964 Grifo A3 L
1966–1973 Grifo Lusso GL
1967–1974 Fidia 300 / S4
1969–1974 Iso Lele
1970–1974 Grifo 7 Litri
1970–1974 Grifo Can Am
Iso Rivolta in Filmen und TV Serien
Der Rivolta ist bis dato nur 14-mal eingesetzt worden, dafür immerhin in einer Hauptrolle mit unserem Heinz Rühmann und Liselotte Pulver beim Kinofilm 1965 in Dr. med. Hiob Prätorius. Dann noch als Statist im Hintergrund bei Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger 1965-1970 mit Beppo Brem und Maxl Graf. Die Sendung um die Münchner Kripo dauerte zwar immer nur 25 min. lang, dafür 110 Staffeln.
Iso Rivolta im Motorsport
Man könnte fast sagen, öfter angemeldet als gestartet bzw. Do not finished und nur einmal einen Podiumsplatz erreicht, trotz sehr guter Motorisierung. Einzig bei der Deutsche Rundstrecken-Meisterschaft für Grand-Tourisme-Wagen (DARM GT Avus) einen 2. Podiumsplatz am 27.6.1965 erreicht. Für Le Mans 1968 angemeldet, aber nicht gestartet. Dafür heute des öfteren bei Historic Racings zu sehen.
Hier ca. 18 unbearbeitete Bilder des Iso Rivolta 300 GT plus einige historische Werbe- und Verkaufsprospekte. Dazu ein Iso Grifo A3/C der zur gleichen Zeit produziert wurde und schon einiges moderner wirkt.
Fazit zum Iso Rivolta 300
Ein Luxussportwagen ohne Starallüren, einfach zu bedienen mit ausreichender Motorisierung und vollsynchronisiertem Vierganggetriebe das Geschwindigkeiten über 200 km/h zulässt. Das Design dank Giorgetto Giugiaro äusserst zurückhaltend und ganz ohne Chromzierrat, zu der Zeit eher selten. Langer Vorbau und eine C-Säule mit Hofmeisterknick und der Heckabschluss ausnahmsweise mal völlig ohne Schnörkel. Gleiches gilt für den Innenraum, wo auch der Fond schon durch eine Mittelarmlehne teilbar war. Einziger Wehrmutstropfen, wer es noch sportlicher will greift zu einem Iso Grifo, der fast zeitgleich die Produktionshallen in Bresso verließ. Dieser ist jedoch erheblich teurer – je nach Zustand im Verhältnis 8:1. Gut erhalten kostet ein Iso Rivolta 300 noch unter 50.000 Euro, Iso Grifo jedoch bis über 400.000, manche schon fast ein halbe Million Euronen.
Ansonsten… einsteigen, Schlüssel drehen und los geht’s mit dem ruhigen, sonoren Gebrabbel eines V8-Chevy-Motors!
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